Wieviel braucht man im Leben?  oder : Ist uns unser Luxus bewusst?

Diesen Artikel wollte ich schon seit zwei Wochen schreiben nur bin ich noch nicht dazu gekommen. Es ist gerade viel zu tun – das Schuljahr hat gerade begonnen (das beginnt hier Anfang Februar nach ausgiebigen Sommerferien von Mitte November bis Ende Januar).

Es sind zwei Aspekte, die ich hier beschreiben werde… die Geschichte zu der Tüte und meine Gedanken dazu…

Dieses Bild oben zeigt den Besitz eines 13-jährigen bzw. eines 7-jährigen Jungen. Plus einer Wolldecke, die sie letztes Jahr zum Kindertag geschenkt bekommen haben. Mit dieser Plastiktüte sind die beiden Jungen in unserem Waisenprojekt vor zwei Wochen eingezogen. Sie gehörten schon länger zum Programm, haben aber bei ihrem alten und kranken Vater gelebt und wurden in den vergangenen Jahren seit dem Tod ihrer Mutter von ihrer älteren Schwester mit aufgezogen. Den Kindern ging es nicht wirklich gut, vor allem seit die Schwester nicht mehr im Haus war. Die wenige Kleidung, die sie hatten war meist schmutzig, der 13-jährige wurde immer häufiger irgendwo unterwegs angetroffen. Wir haben uns echt Sorgen gemacht, aber der Vater wollte die Jungs nicht bei uns wohnen lassen, da er ihre Arbeitskraft noch brauchte. Im vergangenen November ist er verstorben und die Kinder blieben zunächst beim ständig betrunkenen Halbbruder. Wir sind Gott sehr dankbar, dass sie nun eingewilligt haben, dass wir uns um die Kinder kümmern. So leben sie seit reichlich zwei Wochen bei der jungen Familie vor Ort, die neben ihren eigenen zwei kleinen Kindern auch Eltern für inzwischen weitere sechs Kinder sind. Seither strahlen die beiden Jungs nicht nur äußerlich (weil sich ständig jemand drum kümmert, dass sie sich und ihre Kleider waschen) sondern auch innerlich, weil sie geliebt und umsorgt werden. Sie blühen richtig auf! Es ist wunderbar zu sehen.

Gott ist gut!

Der zweite Punkt betrifft die oben genannte Frage… es hat mich geschockt, diese Tüte zu sehen. Das Bild oben ist nachgestellt, die Tüte hängt an meiner Schlafzimmertür, aber der Punkt bleibt gleich: In welch einem Luxus lebe ich eigentlich?! Ich habe eine kleine Wohnung für mich… einen Kleiderschrank gefüllt mit Sachen die mehr als 2 Koffer füllen, ein weiches Bett mit Moskitonetz, welches nicht nur Mücken, sondern auch anderes Viehzeug von mir abhält, ich habe einen Kühlschrank mit Eisfach, ein Badezimmer IN der Wohnung MIT fließend warmen Wasser, ich habe eine Waschmaschine und wenn der Strom nicht gerade ausfällt, funktionieren die Geräte auch 🙂 … und die Lampen in der Wohnung, die mir Licht geben auch wenn es draußen schon dunkel ist. Mein Gasherd ist sogar bei Stromausfall nutzbar. Dieser Reichtum beschämt mich immer wieder, wenn ich die Realität der Menschen hier erlebe.

„Gott, ich danke dir für alles, was du mir geschenkt hast und was du mir täglich schenkst. Danke, dass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, OB ich heute Abend etwas zu Essen auf dem Tisch haben werde (nur darüber was ich mir kochen/zubereiten soll 🙂 ), dass ich nie hunrig ins Bett gehen muss, dass ich mir auch mal was gönnen kann.

Schenke mir Weisheit diese deine Geschenke zu deiner Ehre zu nutzen… meinen Reichtum an materiellen Dingen gut zu verwalten und ein Segen für andere sein zu können.“

This article has 7 comments

  1. Jochen Busse Reply

    Danke Michaela für diesen Artikel. Dass wir alles in unserer Wohnung haben und genießen können, ist für uns Deutsche selbstverständlich und wir denken – solange wir alles haben – auch nicht darüber nach. Wenn man aber Menschen sieht oder von ihnen hört, welche wesentlich haben als wir, können wir nur sehr dankbar sein für unseren Lebensstandart.

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